«Das ist gelebte Inklusion in Reinkultur»

Mannschaftssportarten schaffen Begegnungen auf Augenhöhe und ermöglichen Menschen mit Behinderungen Erlebnisse, die weit über das eigentliche Spiel hinausreichen. Rafroball, Fussball im Gehen und Netzball sind drei Beispiele, die unterschiedliche Ansätze verfolgen, jedoch dasselbe Ziel haben: Sie ermöglichen allen Menschen, Teil eines Teams zu sein und Freude an der Bewegung zu haben.

Behindertensportler bei einem Ballspiel
Eine Turngruppe während einer gemeinsamen Übung
Ein Behindertensportler hechtet nach einem Volleyball
1/3Ein Mannschaftsspiel stärkt das Miteinander, fördert Bewegung und zeigt, wie Inklusion im Sport ganz selbstverständlich gelebt werden kann.
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3/3Ein Mannschaftsspiel stärkt das Miteinander, fördert Bewegung und zeigt, wie Inklusion im Sport ganz selbstverständlich gelebt werden kann.

Text Cynthia Mira, Fotos Markus Schneeberger, Procap

Mit der Schweizer Meisterschaft im Rafroball hat sich im Juni eine noch eher junge Mannschaftssportart in der Westschweiz ins Rampenlicht gebracht. Procap Schweiz besuchte die Vorausscheidung in La Chaux-de-Fonds, wo sich die Teams für das Finale qualifizieren konnten. «Ein solches Miteinander sieht man selten, das ist gelebte Inklusion in Reinkultur», sagte unser Hausfotograf Markus Schneeberger, der die Bilder für den Beitrag machte, vor Ort begeistert. Menschen mit und ohne Behinderungen spielen gemeinsam und erzielen Tore und damit Punkte, wobei diese unterschiedlich gewertet werden.

Procap Sport ist laufend dran, die Integration möglicher Sportarten abzuwägen. Bis sich eine neue Sportart etabliert, braucht es jedoch Zeit. Die Reglemente müssen einfach und klar sein und die regionalen Sportgruppen Zeit haben, die Spiele kennenzulernen und zu adaptieren. Zudem benötigen die Trainer*innen Aus- und Weiterbildungen. Gerade im inklusiven Sport gilt es, die Bedürfnisse unterschiedlicher Spieler*innen zu berücksichtigen und eine gute Balance zwischen Sicherheit, Fairness und Spielfreude zu finden. Procap Sport ist laufend daran, vereinfachte Spielvarianten für die Sportgruppen zu entwickeln, welche mit einfachen Materialien und Regeln mit allen gespielt werden kann.

Netzball als Erfolgsgeschichte

Dass sich dieser Einsatz zugunsten einer neuen Sportart lohnt, zeigt ein Blick in die Deutschschweiz. Dort hat sich das inklusive Netzballplus in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich in zahlreichen Procap-Sportgruppen etabliert. Die Sportart greift auf das bestehende Regelwerk des Schweizerischen Turnverbands zurück und konnte dadurch von Anfang an auf klare Strukturen und bewährte Grundlagen bauen. Heute begeistert Netzballplus Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermassen. Davon zeugt auch das jährlich im November in Olten stattfindende Procap-Netzballturnier.

Es sind Mannschaftssportarten, die für Menschen mit Behinderungen einen besonderen Wert besitzen. Sie fördern nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch soziale Kompetenzen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung. Davon berichtet auch Roland Rüfli, der seit sage und schreibe 20 Jahren für die Procap-Sportgruppe Grenchen im Einsatz steht. Er sei aufgrund seiner Frau, die damals als Kassierin tätig war, in diese «tolle Sache», wie er betont, reingerutscht. Heute ist er als Präsident und Leiter der autonomen Sportgruppe für das Programm und den Ablauf der Sportstunde verantwortlich. Ihm sei es wichtig, jeden Mittwoch den rund 20 aktiven Sportler*innen ein vielseitiges Programm mit Koordination, Kondition, Kraftübungen sowie mit vielen Spielen zu bieten. «Eine gelungene Sportstunde ist für mich, wenn am Ende alle sagen, dass es anstrengend und dennoch schön war und wenn alle zufrieden sind», so der 57-jährige gelernte Bäcker-Konditor. Nach einem erfolgreichen Turnier in fröhliche Gesichter zu schauen und die Dankbarkeit aller zu spüren, berühre ihn immer wieder.

Fussball mal anders

Inklusion im Sport bedeutet auch, bestehende Spielarten anzupassen. Ein Beispiel dafür ist «Walking Football» oder zu Deutsch Fussball im Gehen. Die Sportart richtet sich insbesondere an ältere Menschen sowie Personen mit Mobilitätseinschränkungen, die den Fussball nur eingeschränkt ausüben können. Weil Rennen nicht erlaubt ist, sinkt das Verletzungsrisiko, während Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit dennoch gefördert werden. Neben dem Sprintverbot gibt es auch Anpassungen bei der gespielten Ballhöhe oder beim Körperkontakt. «Es ist der ideale Mannschaftssport für Menschen, die nicht mehr über eine ausreichende körperliche Fitness verfügen, um klassischen Fussball zu spielen, die aber weiterhin die Emotionen, den Spass und den Teamgeist dieses Sports teilen möchten», heisst es auf der Website von Pro Senectute Fribourg dazu. Für Procap Sport Grund genug, die Sportart bei den nächsten Bewegungs- und Begegnungstage in Tenero zu testen. Anstelle des Plauschfussballs gibt es 2027 Fussball im Gehen. Procap Sport wird auch versuchen, diese Mannschaftssportart in den regionalen Sportgruppen zu verankern.

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Save the date: Procap Bewegungs- und Begegnungstage in Tenero

Alle zwei Jahre organisiert Procap Sport, abwechselnd in Tenero und Olten, nationale Sport- und Bewegungstage. Am 12. und 13. Juni 2027 messen sich wieder mehrere Hundert Sportler*innen in Einzel- und Gruppenwettkämpfen auf den wunderschönen Sportanlagen im Tessin. Essen, Tanzen und gemütliches Beisammensein runden das Fest ab.

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