Text Cynthia Mira, Fotos Markus Schneeberger, Cynthia Mira
Wie sehr sich das Verständnis für Barrieren im Alltag von Menschen mit Behinderungen verändern kann, zeigte der Sensibilisierungskurs im Parc Ela im Herzen Graubündens. Die Teilnehmenden erfuhren von Selbstbetroffenen, was eine Steigung für Personen im Rollstuhl oder die Orientierung in einem Zimmer für blinde Menschen bedeutet. Es sind Erfahrungen, die Verständnis schaffen und zeigen, warum Sensibilisierung so wichtig ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass das Netzwerk Schweizer Pärke eine Initiative ergreift, um Menschen mit Behinderungen stärker in das touristische Angebot miteinzubeziehen. Zahlreiche Projekte und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerorganisationen zeugen von der Motivation, bestehende Angebote physisch und digital zugänglicher zu machen und inklusive Ausflugsziele zu schaffen. «Auch im Parc Ela bestehen barrierefreie Angebote, aber es ist sicher noch mehr möglich. Wir sehen den Workshop als Möglichkeit für Inspiration, was weitere Schritte im Bereich barrierefreie Angebote sein könnten», sagte Silja Giovanoli, Projektleiterin Sensibilisierung des Vereins Parc Ela. Sie organisierte den regionalen Anlass Mitte Juni im Rahmen des parkübergreifenden Projekts «Barrierefrei» des Netzwerks Schweizer Pärke.
Hindernisse im Alltag erkennen
Im Kurs wurden Projekte und Angebote in der Region entlang der touristischen Servicekette unter die Lupe genommen. Dabei wurde analysiert, welche Angebote inklusiv gestaltet sind und wo Verbesserungspotenzial besteht. Während des praktischen Teils im und um das Aves Hotel Savognin gab es zahlreiche Aha-Momente, die für die Sensibilisierungskurse, die Procap anbietet, so typisch sind. Dazu gehören auch alltägliche Dinge, die einem in der Regel nicht auffallen: «Unsere Theke beim Besucherempfang ist viel zu hoch», meinte etwa eine Teilnehmerin. Und auch für blinde Menschen sei bereits das Aufsuchen des Empfangs herausfordernd. «Der Tag hat mir die Augen geöffnet», bemerkte ein anderer Teilnehmer. Im Kurs wurde diskutiert, dass besonders bei älteren Bauwerken die Barrierefreiheit oft nur schwer umzusetzen ist, da diese ursprünglich nicht darauf ausgelegt waren und Renovationen nicht kurzfristig umsetzbar sind. Umso wichtiger sind der Perspektivenwechsel und der Austausch während des Kurses, um bestehende Hürden zu erkennen. Gäste mit Beeinträchtigung sind natürlich trotzdem willkommen, auch wenn es gelegentlich abenteuerlich werden kann.
«Oh, wir lieben Abenteuer, gell David», konterte Susanne Gasser, die für Procap als Selbstbetroffene einen Einblick in das Leben von blinden Menschen gab. Sie erheiterte gemeinsam mit David Perren, der seit einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, die Teilnehmenden zwischendurch mit Anekdoten. David Perren führte aus, wie ihn das Personal in einem als «barrierefrei» deklarierten Hotel in Barcelona einst über Stufen hochtragen musste. Das Zimmer sei dann aber gut gewesen, versicherte er. Ein anderes Mal habe er sich auf den Pool auf dem Dach einer barrierefreien Unterkunft gefreut, der aber aufgrund von Treppen für ihn gar nicht zu erreichen war.
Seifenspender anstatt Rampe
«Hotels prahlen ja gerne mit Bildern der schönsten Seifenspender in den Zimmern, aber wie ihr merkt, ist das für Menschen mit Behinderungen teils irrelevant», erklärte Stephanie Hirsiger-Hanser von Procap Reisen. Sie komplettierte das Procap-Expertentrio und führte durch den Kurs. Ihr treuester Ferienbegleiter sei auf jeden Fall das Massband, um Türen, Gänge und Anlagen auf Barrierefreiheit zu überprüfen.
Dass ein Schwimmbad noch mehr braucht als einen Pool-Lift, leuchtete einem weiteren Kursteilnehmer ein, der ein Hallenbad genauer unter die Lupe nahm. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie man als blinde Person sein Kästchen in der Umkleide wiederfindet, wenn nichts mit Braille- oder Reliefschrift angeschrieben ist», meinte er. Der Kurs habe ihm vor allem gezeigt, dass man oft nur an Menschen im Rollstuhl denke, dabei hätten eben alle das Recht auf Inklusion. «Wir wollen unser Angebot definitiv verbessern und inklusiver gestalten, deshalb sind wir Teil dieses Kurses.»






