Regula Blaser

Ein Herz für die Tiere: Regula Blaser kümmert sich auf dem Bauernhof vor allem um die Kleintiere.

«Ich schreibe für alle die Geburtstagkarten»

Regula Blaser
(*1986). Tierliebend, aktiv und mit einer grossen Leidenschaft fürs Schreiben: Procap stattete Regula Blaser, Mitglied der Sportgruppe Burgdorf, im Juni einen Besuch ab. Unter der Woche arbeitet sie auf einem Bauernhof in einem abgelegenen Weiler in Rüegsbach. Seit 2021 nimmt sie jeden Montag von dort oben den Weg unter die Füsse, um für eine Stunde dem Schwimmsport in Burgdorf zu frönen.

Interview Cynthia Mira, Jonas Vögeli, Fotos Markus Schneeberger

Procap: Regula, wir stellen in der Rubrik «Wir sind Procap» eigentlich allen diese eine Frage: Was ist deine Super-Power?

Regula Blaser: (überlegt) Hmm, ich schreibe sehr gerne. Darum gefällt mir auch das Ämtli, das ich in der Sportgruppe habe. Seit drei Jahren erhalten alle Mitglieder von mir eine Geburtstagskarte.

Von Hand geschrieben?

Ja, das sind circa 70 Karten im Jahr, die pünktlich ankommen. Die Vorgängerin hatte keine Zeit mehr. Ich habe den Kalender und die Adressen im Blick. Nur die Briefmarken muss ich zwischendurch anfordern, den Rest erledige ich allein, und da sind glaube ich alle froh drum. Manchmal wird es auch ein langer Brief, den das Mitglied dann behalten kann.

Und was gibt dir Procap im Gegenzug zurück?

Ich kam dank Procap zum Sport und erlebe gemeinsame Events. Zudem war ich schon mit Reisegruppen in den Ferien. Einmal ging es in die Vogesen, und zweimal war ich in der Schweiz am Wandern. Das Coole ist, dass die Sportgruppe Burgdorf auch viele Aktivitäten anbietet. Zum Beispiel geht es jeden Frühling zum Kegeln.

Wieso hast du dich für den Schwimmsport entschieden?

Ich war früher bei einer anderen Organisation im Turnen. Dieses findet bei Procap derzeit vor der Schwimmstunde statt. Es gibt auch Mitglieder, die beides machen, da haben wir in der Pause immer etwas Zeit zum «schnädere». Mir wäre beides aber zu viel neben der Arbeit. Ich bewege mich auf dem Hof schon genug. Ich schwimme vor allem, weil es mir Spass macht

Nimm uns mit in deinen Alltag, was arbeitest du hier auf dem Bauernhof?

Ich bin seit sieben Jahren hier und für die unterschiedlichsten Arbeiten tätig. Es gab bei der Familie, wo ich mithelfe, auch schon einen Generationenwechsel. Ich fühle mich wohl und wollte schon als Kind mit Tieren arbeiten. Meine Eltern hatten aber keinen Bauernhof. Hier schaue ich unter der Woche zu den kleineren Tieren, wie Hühner oder Hasen. Zudem helfe ich bei der Wäsche und bereite das Frühstück vor.

Für die Schwimmstunde musst du jeden Montag von hier nach Burgdorf gelangen, holt dich da jemand ab?

Nein, ich gehe mit dem ÖV. Da die Stunde aber erst um 20 Uhr anfängt, fährt für den Rückweg gar kein Bus mehr. Da bestelle ich ein «Buxi». Mit diesem kleinen Ortsbus werde ich bis zur letzten Hauptstrasse gefahren, und ab da laufe ich dann eine Viertelstunde, das geht gut. Ich habe seit Geburt eine geistige Behinderung, die man aber nicht unbedingt merkt. Ich kann mit dem ÖV reisen und bin selbstständig. Einzig bei komplizierten Formularen bin ich manchmal froh um Hilfe. Körperlich habe ich keine Einschränkung, deshalb kann ich ganz normal schwimmen und auch anderen helfen.

Welche Schwimmart machst du am liebsten?

Brustschwimmen – wobei die Leitungspersonen manchmal wollen, dass wir auch Rückenschwimmen oder so. Wir sind insgesamt 20 Schwimmer*innen. Ich schwimme mit einigen von ihnen einfach eine ganze Stunde Längen und übe die Technik für eine bestimmte Schwimmart. Die Betreuer*innen bieten auch Spiele an, viele gehen sowieso zuerst eine halbe Stunde ins Nichtschwimmerbecken fürs Einwärmen.

Wenn ein Mitglied Angst vor dem Wasser hat, gibt es da etwas, das du dieser Person mitgeben kannst? Kennst du das auch?

Nein, ich hatte damit nie ein Problem. Ich würde sagen, einfach die Angst überwinden.

Hast du auch schon Medaillen gewonnen, beispielsweise am jährlichen Procap-Schwimmtag im August in Olten?

Letztes Jahr war ich am Schwimmtag dabei, und es hat Spass gemacht. Dieses Jahr gibt es ein internes Sportwochenende just am selben Augustwochenende, deshalb werden wir als Schwimmgruppe in Olten fehlen. Eine Medaille holte ich aber nie im Schwimmen, dafür an einem Sporttag in Tenero. Da gewann ich ohne spezielles Training in der Einzelwertung eine Medaille, das war sehr lustig.

Und was hast du noch für Träume?

Keine, ich bin sehr zufrieden so, wie es ist.

Das ist doch schön.