Die Invalidenversicherung und junge Erwachsene – wohin führt der Weg?

Die Invalidenversicherung und junge Erwachsene – wohin führt der Weg?

Immer mehr junge Erwachsene beziehen aufgrund psychischer Erkrankungen Leistungen der Invalidenversicherung (IV). Eine von Procap Schweiz durchgeführte Umfrage unter Fachpersonen zeigt auf, wo die grössten Hürden bei der beruflichen Eingliederung liegen. Klar wird aber auch: Oftmals kann die berufliche Integration mit den geeigneten Instrumenten und Rahmenbedingungen gelingen.

Die Zunahme psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen stellt nicht nur die Betroffenen und ihr Umfeld vor Herausforderungen. Sie ist auch für die gesamte Gesellschaft von hoher Bedeutung. Gerade vor dem Hintergrund der Unterfinanzierung der IV ist es wichtig, die Ursachen genauer zu verstehen und wirksame Lösungen für eine nachhaltige Eingliederung zu entwickeln. Aus den Erkenntnissen der Umfrage von Procap vom Juni 2026 lassen sich deshalb wichtige Empfehlungen für den weiteren politischen Prozess ableiten.

Insgesamt wurden schweizweit rund 153 Fachpersonen aus den verschiedenen Bereichen der beruflichen Eingliederung befragt. Die Umfrage erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, sondern möchte viel mehr einen Beitrag zum aktuellen Diskurs leisten und Erfahrungen aus der Praxis sichtbar machen.

Hoher Leistungsdruck und fehlende Therapieplätze

Als mögliche Gründe für die zunehmende psychische Belastung nennen die befragten Fachpersonen unter anderem den zunehmenden Leistungsdruck, den Einfluss sozialer Medien sowie fehlende frühzeitige Unterstützungsangebote. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass die Instrumente der IV oftmals zu hohe Anforderungen stellen und Hürden beim Wiedereinstieg in Ausbildung oder Arbeitswelt für Betroffene bestehen.

Gefragt sind deshalb flexiblere Arbeits- und Ausbildungsmodelle sowie individuelle Betreuungsangebote mit enger Begleitung. Gerade bei psychischen Erkrankungen braucht eine nachhaltige Eingliederung Zeit und Lösungen, die sich an der individuellen Situation orientieren.

Zusammenarbeit als zentraler Erfolgsfaktor

Die Auswertung zeigt zudem klare Fehlanreize und Erfolgsfaktoren auf. Eine zentrale Herausforderung ist beispielsweise die teilweise ungenügende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren. Verstärkte Koordination und klar definierte

Zuständigkeiten könnten dazu beitragen, dass junge Menschen weniger häufig zwischen den verschiedenen Systemen verloren gehen.

Die Empfehlungen von Procap Schweiz sind entsprechend deutlich: Früherkennung stärken, Schulen stärker sensibilisieren, die IV früher einbeziehen und Betroffene engmaschiger begleiten. Ebenso braucht es niederschwellige Angebote und Geduld, damit Integration nachhaltig gelingen kann. Auch finanzielle Fehlanreize müssen beseitigt werden. Dazu gehört beispielsweise die Lücken beim Taggeld während den Integrationsmassnahmen zu schliessen, wie aus der Umfrage hervorgeht.

Ausblick: Weitere Ursachen müssen untersucht werden

Die Umfrage liefert wichtige Ansatzpunkte, identifiziert aber auch ungeklärte Fragen. So sollte insbesondere der Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen vertieft untersucht werden. Gleichzeitig gilt es, die Ursachen für die zunehmende Belastung junger Menschen zu klären.

Die Ergebnisse zeigen: Eine erfolgreiche Eingliederung braucht frühzeitige Unterstützung, flexible Lösungen und eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten. Diese Erkenntnisse sollten nun in die politische Diskussion über die Zukunft und die finanzielle Stabilisierung der IV einfliessen.

Hier können Sie die ganze Umfrage herunterladen. Link öffnet in neuem Fenster.

Hier können Sie den Fragebogen herunterladen. Link öffnet in neuem Fenster.


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