Wenn das Hobby mitreist

«Ratter, ratter, ratter, es gibt nichts Schöneres, als mit einer alten Eisenbahn zu fahren.» Davon ist Thomas, unser Reisegast aus Rothrist, überzeugt. Gemeinsam mit seinem freiwilligen Assistenten Martin frönte er auch auf einer individuellen Procap-Reise in Lateinamerika seiner Leidenschaft.

Thomas steht vor zwei Zügen und präsentiert ein gelbes dreieckiges Geschwindigkeitssignal
Thomas und Martin präsentieren ihr neues Valparaíso-T-Shirt.
1/2Thomas beim Zwischenhalt mit dem Buscarril Talca–Constitutión.
2/2In Valparaíso, der farbig bemalten Stadt, präsentieren Thomas und Martin ihr neues Valparaíso-T-Shirt.

Text Martin A. Bühler, Cynthia Mira Fotos Martin A. Bühler

Thomas kennt viele Fakten aus der Eisenbahnwelt auswendig: Spurweite, Baujahr der Strecke, Diesel oder Stromantrieb. In seinem Eisenbahnclub in Winterthur erhielt er Informationen und die Telefonnummern von Gleichgesinnten aus Lateinamerika. In Uruguay schauten Thomas, der blind ist, und Martin bei Santiago vorbei. Er arbeitet als Lehrer und repariert in seiner Freizeit mit seinem Verein ehrenamtlich alte Lokomotiven. Bei einem Besuch bestieg Thomas den alten Dieseltriebwagen mit der Nummer «104», nahm im Führerstand Platz und durfte den Motor schalten und eine Strecke fahren. «So ein Erlebnis haben nur die wenigsten Besuchenden», erzählt Martin. Umso grösser sei die Freude über diese Ehre gewesen.

Nach dem Abstecher in flachem Uruguay ging es für die beiden, die bereits einige Male gemeinsam durch Südamerika gereist sind, über die hohe Andenkette nach Chile. Von dort nahmen sie erneut in einer Eisenbahn nach Talca Platz und fuhren mit der alten Dieselbahn nach Constitutión. «Die Dieselbahn nennt man dort Buscarril, weil die Bahn eher einem Bus auf Schienen gleicht und das Schütteln aufgrund der alten, verbogenen Schmalspurgleise ebenfalls dazugehört», erzählt Martin. Das Ratter-Feeling blieb den beiden also über weite Strecken erhalten.

Weiter ging es nach Valparaíso, einer Stadt am Meer mit vielen Hügeln, farbigen Sprayereien auf den Hauswänden und steilen antiken Schrägliften, die man sich als etwas zu kurz und steil geratene Standseilbahnen vorstellen kann. Ein weiterer Höhepunkt folgte mit den Trolleybussen, die den alten Luzerner Trolleybussen ähnlich sind. «Das ist kein Wunder, es sind tatsächlich ausgediente Fahrzeuge aus Luzern, die in Valparaíso ein zweites Leben erhalten haben», so Martin weiter. Auch die Aufschrift sei noch auf Deutsch zu lesen gewesen: «Tarifverbund LU OW NW».

Zum Abschluss des individuellen Urlaubs, der von Procap Reisen organisiert wurde, ging es zurück nach Santiago de Chile. Hier erlebten sie nochmals zwei spannende Tage mit Märkten, Gassen und heisser Sonne, bevor es zurück in die Schweiz ging, wo der Frühling langsam Einzug hielt.

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