Basile Chaillot

Basil Chaillot sitzt auf einem Liegestuhl und studiert den Procap-Reisekatalog
Basile Chaillot überlegt sich bereits, nach den Einsätzen als Zivildienstler, weiterhin als freiwilliger Reisebegleiter für Procap im In- und Ausland tätig zu sein. Das Engagement halte viele erfüllende Momente bereit und es sei ein Geben und Nehmen, sagt er.

«Ich bin dann zufrieden, wenn die Gäste glücklich sind»

Basile Chaillot
(*2001). Er ist bilingue, gewitzt und bereit, jedem Procap-Gast die schönsten Ferien zu ermöglichen. Wenn sich unser aktueller Zivildienstler nicht gerade in einer Ferienwoche im In- oder Ausland befindet, kommt er seinem Traumberuf als Lokführer näher. Derzeit arbeitet er als Kundenbegleiter bei den SBB.

Interview Cynthia Mira Fotos Markus Schneeberger

Procap: Basile, du hast dich entschieden, deinen Zivildienst bei Procap Reisen zu leisten, und seit 2023 machst du einen Einsatz nach dem anderen. Nimm uns mit: Welches Erlebnis war bisher dein schönstes?

Basile Chaillot: Oh, davon gibt es viele. Toll ist es zum Beispiel, Gäste ins Wasser zu begleiten, die aufgrund einer Behinderung jahrelang nicht mehr baden konnten. Dieses Erlebnis zu ermöglichen, ist enorm schön.

Und umgekehrt, was war der schwierigste Moment? 

Ein Gast verschwand kürzlich während einer 30-minütigen Pause, ohne jemandem etwas zu sagen. Wir mussten ihn suchen, das war ein grosser Schreckmoment.

Das heisst, seither willst du keine Einsätze mehr machen? 

(lacht) Nein, das nicht, aber in dem Moment hatte ich schon ziemlich Mühe, weil ich die Verantwortung für ihn trug. Andererseits konnten mich die anderen im Team beruhigen, weil ich nichts hätte anders machen können. Und es kam ja gut, so wie immer bei herausfordernden Situationen. Man ist ein Team vor Ort, hat eine Reiseleitung und das Procap-Team mit über 30 Jahren Erfahrung im Hintergrund. Das beruhigt schon.

Wie bist du eigentlich auf Procap Reisen aufmerksam geworden? 

Ich wollte den Zivildienst zugunsten von Menschen mit Behinderungen machen. Am Einführungstag suchte ich nach einem Taxidienst. Es war Zufall, dass ich das Angebot von Procap gesehen habe. Ich habe dann in der Pause angerufen und wenige Tage später für den ersten Einsatz unterschrieben.

Das war ein Sprung ins kalte Wasser, korrekt? 

Definitiv. Meinen erster Einsatz war 2023 in Magliaso im Tessin, und ich hatte keine Erfahrung. Es sind viele Dinge und Situationen, die man schlicht nicht kennt und zuerst erfahren muss, um dann zu wissen, wie man sich am besten verhält. Ich hatte das Glück, dass bei einem ersten Einsatz zwei Begleitpersonen mit dabei waren, die mir viele Tipps gaben. Ich profitierte enorm und habe in kurzer Zeit sehr viel gelernt. Und Procap schaut schon, dass man als nicht erfahrene Person beim ersten Einsatz nicht gleich eine Person mit 100-prozentigem Unterstützungsbedarf begleitet oder Pflegehilfe leistet. Ich war für Menschen zuständig, die eher strukturelle Hilfe im Alltag benötigten.

Was sagt dein Umfeld zu deinem Engagement? 

Sie finden es cool und sind neugierig. Teils haben sie auch keine Vorstellung davon, wie es wirklich ist. Sie reagieren auf schöne Reisefotos und sehen nicht, dass ich morgens Pflegehilfe leiste oder ein Tag auch mal lange gehen kann. Man hilft bei Dingen, die für viele nicht alltäglich sind. Aber klar, oft ist es richtig schön.

Würdest du die Einsätze weiterempfehlen? 

Grundsätzlich ja, dennoch ist mir bewusst, dass es nicht für jeden passend ist, weil man sich stark einbringen muss. Im Mittelpunkt stehen immer die Wünsche der Gäste und die Unterstützung, die es braucht, um unvergessliche Ferien zu ermöglichen. Für mich ist es genau das, was den Einsatz so schön macht. Und: Man ist als Zivi immer mit grossem Abstand der Jüngste unter den Begleitpersonen. (lacht)

Haben deine Einsätze deine Sicht auf die Welt verändert? 

Ja, ich denke schon. Es hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, dass es so viel mehr gibt, als einfach einer 100-Prozent-Arbeit nachzugehen und da das Glück zu suchen. Ich finde es richtig schön, wenn Gäste bei den einfachsten Dingen und Umständen enorme Glücksmomente erleben. Als Begleitperson hat man oft das Gefühl, man müsse viel bieten, aber darum geht es gar nicht. Viele haben einfach Freude, in einem Café zu sitzen und zu reden. Und manche sind es sich auch nicht gewohnt, dass eine Person nur für sie da ist, ohne zeitliche Einschränkung. Ich möchte immer mein Bestes geben, da hilft es sehr, nicht unter Zeitdruck zu stehen.

Was sind deine Stärken, die du auf den Reisen einbringst? 

Ich bin einfühlsam, geduldig, belastbar und kann mich gut in den Hintergrund stellen. Ich bin tatsächlich einfach dann zufrieden, wenn die Gäste glücklich sind.