Text Cynthia Mira Fotos Eye-Able, Procap
«Schweizer Gemeinde-Websites sind voller Hürden» - so lautete im Oktober 2025 eine Schlagzeile auf der Newsplattform von SRF. Grund: Das Recherchezentrum Correctiv.Schweiz und die Stiftung «Zugang für alle» hatten in einer Studie 70 Websites von Schweizer Gemeinden und Städten auf digitale Barrierefreiheit geprüft – mit ernüchterndem Ergebnis: Keine einzige Website war barrierefrei, 20 wurden als «teilweise zugänglich» eingestuft. Das Resultat zeigt auf, wie gross der Nachholbedarf in der Schweiz ist. Dabei sind öffentliche Stellen gesetzlich verpflichtet, ihre Websites und mobilen Anwendungen zugänglich zu machen. Für private Firmen ist es bislang freiwillig.
Warum automatisierte Prüfungen nur ein Teil der Lösung sind
Barrieren im Web machen sich vor allem für Menschen mit Behinderungen bemerkbar. Davon können auch die beiden jungen Procap-Mitarbeiter Maik Lüscher und Jonas Vögeli ein Lied singen. Jüngst zeigten sie in einem Video auf, welche Tools ihnen helfen, um am Computer trotz Seheinschränkungen zu arbeiten, und wie sie sich im Web bewegen. Maik Lüscher arbeitet im Fundraising. Auf dem rechten Auge hat er noch eine Sehstärke von 20 Prozent mit Gesichtsfeldeinschränkung. Mit einem Lesegerät kann er Texte auf Papier grösser einstellen oder den Farbkontrast ändern.
Jonas Vögeli macht seine KV-Lehre bei Procap und hat ebenfalls eine starke Seheinschränkung. Er meint: «Bei gewissen Videos im Web, die immer schneller geschnitten werden, ist dann halt der Ton einfach schön.» Da er das Mauszeichen nicht sieht, arbeitet er auf der Tastatur mit Kombinationen, sogenannten Shortcuts. Zur Website von Procap sagt er: «Diese ist gut eingerichtet, sodass ich zu den Suchfeldern und verschiedenen Buttons springen kann.» Es sind genau solche Bewertungen von Betroffenen, mit denen auch die Firma Eye-Able arbeitet. Denn: «Digitale Barrierefreiheit lässt sich nicht allein mit Software messen. Erst wenn Menschen mit Behinderungen sie testen, zeigt sich, ob eine Website wirklich nutzbar ist», sagt Sebastian Zimmermann. Automatisierte Tests würden circa 70 bis 80 Prozent aller technischen Barrieren erkennen. Es sei aber wichtig, zu verstehen, dass automatisierte Tools an Logikfehlern scheitern oder Probleme bei echten Nutzungsszenarien nicht sehen würden. Dazu gehörten fehlende Kontextinformationen oder nichtssagende Alternativtexte für Bilder.
Eye-Able setze deshalb mit ihrer ganzheitlichen Lösung für die Kundinnen und Kunden neben dem automatischen und kontinuierlichen Monitoring auf manuelle Überprüfung, durchgeführt von den Expert*innen selbst – von Menschen mit Behinderungen. Für Unternehmen, die Eye-Able nutzen, bietet dieses Vorgehen einen entscheidenden Mehrwert. Denn nur dank den manuellen Überprüfungen kann gewährleistet werden, dass eine als barrierefrei deklarierte Website wirklich hält, was sie verspricht.






