Das 40-Jahr-Jubiläum meiner Hörbehinderung

In den Niederlanden gut hörend aufgewachsen, plagten mich während meiner Kindheit oft Erkältungen, die meistens in einer Mittelohrentzündung endeten. Mit 16 Jahren noch von einer heftigen betroffen, blieb es danach jahrelang ruhig in meinen Ohren.

Porträtbild Renée Iseli-Smits
Porträtbild Renée Iseli-Smits
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2/2Renée Iseli-Smits – selbst hochgradig schwerhörig – setzt sich für andere Menschen mit Hörbehinderung ein, weil sie aus eigener Erfahrung weiss, welche Hürden es für sie geben kann. Neben ihrer Arbeit für Procap arbeitet sie für Pro Infirmis und hat dieses Jahr ihr eigenes Einzelunternehmen gegründet, um sich für bessere Weiterbildung und Inklusion am Arbeitsplatz für Menschen mit Hörbehinderung einzusetzen.

Mein Trommelfell war jedoch voller Narben und beschädigt, und so sprach der Ohrenarzt in meinem 18. Lebensjahr zum ersten Mal von einem Hörgerät. 

Mein Herz sagte nein, ich wollte aber ein Studium der Geschichtswissenschaft an der Uni anfangen, und mein Verstand fragte mich, ob ich das ohne Hörgerät wohl schaffen könnte. Mit der Zeit siegte Letzterer, mit etwas Hilfe meiner Eltern, doch über mein Herz. So habe ich –zwar zögernd – den Schritt zum Akustiker gemacht.

Das war der Anfang meiner «Hör-Reise». Ich habe lange gebraucht, bis ich mein erstes Hörgerät akzeptiert hatte. Mein zweites folgte zehn Jahre später, und nach einem Ohrinfarkt wurde ich hochgradig schwerhörig. 

Die Folgen spürte ich im Alltag. Ein Jahr lang rang ich mit mir, war überzeugt, ich könnte das alleine lösen. Doch dann wurde es mir zu viel, und ich fand die für mich passende Unterstützung und lernte meine Hörbehinderung zu akzeptieren.

Seit sechs Jahren führe ich mit viel Freude Sensibilisierungsworkshops für Procap Schweiz durch, arbeite als Kursassistentin und -leiterin für Pro Infirmis und habe im Mai dieses Jahres ein Einzelunternehmen gegründet.

Als Mensch mit (Hör-)Behinderung habe ich gelernt, den Menschen hinter der Hörbehinderung in den Fokus zu stellen. Ich liess mich nie daran hindern, das zu tun, was ich wirklich möchte. So singe ich seit ein paar Jahren auch mit Hörbehinderung in zwei Frauenchören.

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