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Hindernisfrei wohnen heisst Freiheit

Ohne ihre Krankheit und seinen Unfall hätten sie sich nie kennengelernt, sagen sie und lächeln dabei. Denn als Geni Bissig vor zehn Jahren eine Wohnung suchte, gefiel ihm nicht nur das IWB (Integriertes Wohnen für Behinderte) in der Siedlung Tiefenbrunnen in Zürich, sondern auch Susanne Kramer, die dort bereits in einer Wohnung lebte. Die beiden wurden ein Paar, vor drei Jahren konnten sie gemeinsam in eine Aussenwohnung umziehen.

Selbstständig leben


«Für uns ist es ideal hier», so Geni Bissig, «denn ich möchte selbstständig leben und nicht übermässig betreut oder sogar bevormundet werden.» Für sie, ergänzt Susanne Kramer, sei es zudem wichtig, dass jederzeit eine Pflegeperson in der Nähe sei. Es gebe ihr Sicherheit, bei einem Notfall per Knopfdruck jemanden rufen zu können.

Susanne Kramer lebt seit über 20 Jahren mit Multipler Sklerose, ist auf den Elektrorollstuhl angewiesen und kann die linke Körperhälfte kaum bewegen. Trotzdem wirkt sie lebhaft. Und sie ist kreativ: Regelmässig malt sie, experimentiert dabei und findet damit eine neue Ausdrucksform.

Wichtig, hindernisfrei zu bauen


Einen Elektrorollstuhl braucht auch Geni Bissig, wenn er die Wohnung verlassen will. Er, der Urner, übte verschiedene Bergsportarten aus, bis es 1993 zu einem schweren Unfall kam. Ein jahrelanger Spitalaufenthalt war die Folge, und dann die Frage, wie leben, wo wohnen und arbeiten. Der gelernte Elektrotechniker TS fand schliesslich eine Stelle als Bauberater bei der Behindertenkonferenz Kanton Zürich. Dort überzeugt er Architekten und Bauherren von der Wichtigkeit des hindernisfreien Bauens und steht ihnen beratend zur Seite. «Auch zehn Jahre nach Einführung des BehiG wird oft vergessen, Neu- und Umbauten hindernisfrei zu planen», so Bissig.

Die Wohnung, in der das Paar lebt, hat automatische Türen und elektrische Storen, viel freie Fläche, eine befahrbare Dusche und natürlich keine Schwellen. «Weil wir eine Wohnung haben, die unseren Bedürfnissen entspricht, können wir ein relativ freies Leben führen», sagt Susanne Kramer. Das bedeutet Lebensqualität.

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Geni und Susanne schütteln sich lachend die Hände
 

Procap Bauberatung in Zahlen

  • rund 2300 überprüfte Baugesuche jährlich
  • rund 1000 Beratungen bei Bauprojekten
  • rund 24 Mitarbeitende schweizweit
  • in rund 11 Vollzeitstellen
 

Hindernisfrei Wohnen

Procap engagiert sich dafür, dass Neu- und Umbauten hindernisfrei gebaut werden. Dazu kontrolliert Procap die grösseren Baugesuche. Zudem setzt sich Procap auf politischem Weg dafür ein, dass hindernisfreie Wohnungen bezahlbar sind. Einige Fakten dazu:

Mehr als 170’000 Menschen können aufgrund einer Gehbehinderung gar nicht oder nur wenige Schritte gehen, deshalb brauchen sie rollstuhlgängige Wohnungen mit schwellenfreien Zugängen. Doch bezahlbare hindernisfreie Wohnungen sind eine Mangelware. Deshalb wohnen gemäss einer Studie von Procap nur 18 Prozent der befragten wohnungssuchenden Rollstuhlfahrenden selbstständig in einer rollstuhlgängigen Wohnung. Über zwei Drittel müssen mit Einschränkungen im eigenen Daheim leben. Probleme bereiten Stufen und Schwellen ausserhalb und innerhalb der Wohnung, kein oder ein zu kleiner Lift sowie nicht zugängliche Neben- und Aussenräume.