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Der neue «PraenaTest» erfordert eine gesellschaftliche Debatte über Grundrechte und Grundwerte

Seit ein paar Wochen ist ein neuer Pränatal-Test auf dem Markt, mit welchem auf simple und ungefährliche Weise festgestellt werden kann, ob das werdende Kind Trisomie 21 hat. Was aus medizinischer Sicht ein unbestrittener Fortschritt ist, wirft aus ethischer und gesellschaftlicher Sicht ein paar grundlegende Fragen auf. Ein kritischer Kommentar von Bruno Schmucki, Ressortleiter Kommunikation und Marketing von Procap Schweiz.

Grafik mit DNA-Ketten

Das neu entwickelte Diagnose-Verfahren „PraenaTest“ der deutschen Herstellerfirma LifeCodexx AG provoziert eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit. Der Test an sich funktioniert ganz simpel: Eine Blutprobe der werdenden Mutter wird eingeschickt und 2 bis 4 Wochen später kann das Labor von LifeCodexx mit 95-prozentiger Sicherheit informieren, ob das Ungeborene Trisomie 21 (Down Syndrom) hat.

Das ist an sich ein grosser Fortschritt, weil bisher Vorhersagen mit dieser Wahrscheinlichkeit nur durch sogenannte «invasive» Untersuchungen möglich waren. Und diese waren und sind mit einem Risiko für den Fötus verbunden.

Auf der andern Seite stellen sich aufgrund der einfachen Handhabung des Tests einige grundlegenden rechtliche und ethische Fragen.

  • Wird in einer nicht allzu fernen Zukunft mit weiteren Bluttests das ganze Gengut jedes ungeborenen Kindes analysiert, um «unwertes» Leben frühzeitig auszumerzen?

  • Wer entscheidet, was leben soll und was nicht? Und welche Behinderungen werden als unabwendbar akzeptiert?

  • Werden Eltern, die sich dieser Selektion entziehen wollen, gesellschaftlich unter Druck gesetzt – vor und nach der Geburt des Kindes?
  • Werden die Leistungen und der Versicherungsschutz für Kinder mit frühzeitig erkennbaren Behinderungen irgendwann gestrichen?

Es ist uns allen klar: Es geht nicht darum, ob der neue «PraenaTest» in der Schweiz zugelassen wird oder nicht. Der medizinische Fortschritt lässt sich mit solchen Einschränkungen nicht aufhalten.

Doch aus der Sicht von Menschen mit Behinderung und aus Sicht der betroffenen Eltern ist dringend ein besserer Schutz des Rechts auf «Nichtwissen» und des Rechts auf freie Entscheidung zu fordern.
Zudem soll das entsprechende Beratungsangebot sichergestellt und die Ansprüche auf künftige Unterstützungsleistungen und Versicherungsschutz uneingeschränkt garantiert werden.

Schliesslich muss sich eine Gesellschaft, welche bereit ist, mehr Geld für das Aussortieren als für die Integration der entsprechenden Menschen mit Behinderung auszugeben, einer grundsätzlichen ethischen Debatte stellen. Und daran werden und sollen sich auch die Betroffenen aktiv beteiligen.

 

 

 

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