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27.07.2017 | Top News, Wohnen

Kaum rollstuhlgängige Wohnungen

In Schweizer Städten gibt es kaum rollstuhlgängige Mietwohnungen. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Analyse des Online-Vergleichsdienstes Comparis. Das Ergebnis der Analyse stimmt mit den Beobachtungen von Procap überein. Viele Rollstuhlfahrer/-innen haben grosse Mühe, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Frau im Rollstuhl in hindernisfreier Wohnung

Der Vergleichsdienst Comparis hat in seiner aktuellen Analyse Mietwohnungsinserate der Jahre 2015 und 2016 aus verschiedenen Schweizer Städten untersucht. Die Immobilien-Suchmaschine von comparis.ch fasst Inserate der 17 grössten Immobilien-Plattformen der Schweiz zusammen und bietet damit den umfassendsten Überblick über Mietwohnungsinserate in der Schweiz.


„Die Resultate der Comparis-Analyse sind erschreckend. Gerade jede 17. Stadtwohnung war 2016 als rollstuhlgängig ausgeschrieben“, so Remo Petri, Leiter Wohnen und Bauen bei Procap Schweiz. „Leider stimmen diese Ergebnisse aber mit unseren langjährigen Beobachtungen überein. Für Rollstuhlfahrer/-innen in der Schweiz ist es extrem schwierig, geeigneten und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu finden.“ Eine Analyse des Wohnungsmarktes bei den rollstuhlgängigen Wohnungen von Procap kam 2015 zu ähnlichen Resultaten.

Hohe Mietpreise für rollstuhlgängige Wohnungen

„Was in der Analyse von Comparis nicht untersucht wurde, ist die Höhe der Mietpreise der rollstuhlgängigen Wohnungen“, fügt Petri hinzu. „Dies ist ein wichtiges weiteres Element, das wir anschauen müssen.“ Grundsätzlich sind die wenigen rollstuhlgängigen Wohnungen eher im oberen Preissegment zu finden, weil sich solche Wohnungen oft in Neubauten befinden. Viele Rollstuhlfahrer/-innen sind aufgrund ihrer Behinderung auf Leistungen der Invalidenversicherung (IV) und auf Ergänzungsleistungen (EL) angewiesen. Sie haben deshalb oftmals ein eingeschränktes Budget.  "Unsere Erfahrung zeigt, dass sich weniger als die Hälfte der rollstuhlgängigen Mietwohnungen im EL-Budget bewegen und günstiger Wohnraum sehr unregelmässig verteilt ist in den Ortschaften und Quartieren", ergänzt Petri.

Politisches Engagement von Procap

Verschärfend kommt dazu, dass bei den Ergänzungsleistungen der Höchstbeitrag für den Mietzins seit Jahren nicht an die realen Mietverhältnisse angepasst wurde und den effektiven Mietzins für viele EL-Bezüger/-innen seit langem nicht mehr deckt. Procap setzt sich deshalb bei der im Parlament hängigen Reform der Ergänzungsleistungen dafür ein, dass dieser Mietzinshöchstbetrag erhöht wird. Zudem engagiert sich Procap dafür, dass die sogenannte Rollstuhlpauschale – ein spezieller Zuschuss für Rollstuhlfahrer/-innen, die EL beziehen – erhöht wird. „Eine Erhöhung dieser beiden Beiträge würde dazu führen, dass diese Menschen endlich eine grössere Auswahlmöglichkeit bei den Wohnungen und somit eine bessere Chance auf dem Wohnungsmarkt haben“, erklärt Petri.


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