Der PraenaTest verursacht ethische Probleme
Der neue Bluttest PraenaTest ermöglicht es herauszufinden, ob ein ungeborenes Kind Trisomie 21 hat. Er kommt trotz heftigen Diskussionen nun schon Mitte August in der Schweiz, Deutschland und Österreich auf den Markt. Der vorgeburtliche Test stellt verschiedene ethische, moralische, soziale und politische Fragen. Zu befürchten ist, dass er die Bereitschaft zur Unterstützung von Menschen mit Trisomie 21 schwächen wird.
Mit dem neuen vorgeburtlichen PraenaTest lässt sich anhand einer Blutprobe bereits in der zehnten Schwangerschaftswoche abklären, ob das ungeborene Kind Trisomie 21 hat. Die deutsche Herstellerfirma Lifecodexx betont, dass mit ihrem Test kein Risiko besteht, anders als mit der bisher eingesetzten Fruchtwasserpunktion. Procap Schweiz warnt, dass Risiken in anderen Bereichen bestehen.
In Zukunft könnte die Unterstützung der Krankenkassen und der Invalidenversicherung für Menschen mit angeborenem Handicap geschwächt werden. Wie werden die Versicherungen Eltern unterstützen, die sich trotz eines positiven Tests für ihr ungeborenes Kind mit Handicap entschieden haben? Wird sich dieser Selektionsprozess nicht zu Lasten der Integration von Menschen mit Behinderung auswirken? Die Lage der aktuell lebenden und der zukünftig geborenen Menschen mit Trisomie 21 ist bedenklich. Procap fürchtet eine weitere Verschlechterung.
Wenn dieser Test im Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung aufgeführt wird und so fast zur Routine wird – und vielleicht ab einem gewissen Schwangerschaftsalter sogar vorgeschrieben ist – steigt voraussichtlich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche. Obwohl man weiss, dass auch Menschen mit Trisomie 21 ein eigenständiges und erfülltes Leben führen können.
Procap Schweiz stellt nicht den wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt den dieser Test ermöglicht in Frage. Doch Procap mahnt, dass wichtige Fragen aus dem Bereich der Ethik und der Gesellschaft in der Diskussion zur Zulassung zwingend zu berücksichtigen sind. Prioritär ist, dass die Eltern immer die freie Wahl haben bezüglich dieses Tests und dass sie eine entsprechende Beratung und Unterstützung erhalten.
Stellungnahme von Insieme vom 30. Juli 2012

