Procap packt in der Freiwilligenarbeit für Menschen mit Behinderung ein heisses Eisen an
Procap Schweiz ist die grösste Basisorganisation von und für Menschen mit Behinderung und verfügt über ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten. Procap legt dabei grossen Wert auf respektvolle Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung. Es gibt bei diesen Begegnungen aber immer wieder Situationen, wo bewusst oder unbewusst Grenzverletzungen oder Übergriffe stattfinden. Deshalb startet Procap Schweiz jetzt eine interne Sensibilisierungs- und Präventionskampagne für die rund 1700 Freiwilligen und Ehrenamtlichen zu diesem wichtigen Thema.
Wer sich bei Procap freiwillig engagiert, möchte aktiv etwas für Menschen mit Behinderung tun und sucht den unmittelbaren und persönlichen Kontakt zu ihnen. Es gibt dabei verschiedenste Einsatzmöglichkeiten: Als Vorstandsmitglied oder Helfer/-in in den lokalen Sektionen, als Leiter/-in einer Sportgruppe oder als Begleitung bei Freizeit- und Reiseangeboten. Es ist eine Stärke von Procap, dass die Organisation direkt und ganz nah an den Bedürfnissen der Betroffenen Unterstützung leisten kann. Doch diese Nähe, die auf persönlicher Beziehung und Vertrauen basiert, birgt auch ein grosses Risiko in sich: Es können Grenzverletzungen, Übergriffe oder gar (sexuelle) Missbräuche stattfinden. Solche Erlebnisse bilden in jeder Form einen zentralen Angriff auf die Persönlichkeit der Betroffenen und schränken deren Lebensqualität nachhaltig und dauerhaft ein.
Leitfaden als Auftakt zu einer Sensibilisierungs- und Präventionskampagne
Deshalb ist es für eine Organisation wie Procap sehr wichtig, dass bei allen Beteiligten das Bewusstsein geschärft wird, wo diese Grenzen sind und wie sie eingehalten werden sollen. Mit Hilfe einer Selbstverpflichtung definiert Procap Schweiz zudem den rechtlichen und ethischen Rahmen, in welchem die Begegnungen und Aktivitäten bei Procap stattfinden.
Die Herausgabe des neuen Leitfadens zum Thema «Beziehungen – Grenzen und Übergriffe» ist der Auftakt zu einer internen Sensibilisierungs- und Weiterbildungskampagne von Procap Schweiz. Der Leitfaden enthält nebst der schon erwähnten Selbstverpflichtung auch Begriffsklärungen und Vorschläge für Prävention und Intervention. Abgerundet wird die 30-seitige Broschüre durch eine Zusammenstellung von konkreten Fallbeispielen.
Sektionen und Sportgruppen von Procap sind aufgerufen, anhand des Leitfadens, das Thema aufzugreifen und Veranstaltungen für Vorstände und freiwillige Helfer/-innen zu organisieren. Zudem sollen Strukturen geschaffen werden, welche eine wirksame Prävention, Interventionen und auch Sanktionen ermöglichen. Procap Schweiz vermittelt auch Expert/-innen, welche die Verantwortlichen vor Ort bei Veranstaltungen und Weiterbildungsangeboten unterstützen.
Procap Schweiz betrachtet eine offene Kommunikation über das Thema «Beziehungen – Grenzen und Übergriffe» als zentrale Präventionsmassnahme und als wichtiger Beitrag, die Qualität der Freiwilligeneinsätze für Menschen mit Behinderung bei Procap zu verbessern.
Download der Broschüre im PDF-Format (367 KB)
Kontakt und weitere Auskünfte:
- Esther Gingold, Ressortleiterin Sektionen und Bildung, Tel. 062 206 88 85, bildung(at)procap.ch
- Helena Bigler, Ressortleiterin Reisen&Sport, Tel. 062 062 206 88 30, sport(at)procap.ch

